Veränderung, du fieser Mist

Wir haben zwei Tage überlegt, ob wir diese Podcast-Folge ausstrahlen.

Wer uns zuhört, der weiß, dass wir versuchen so ehrlich und authentisch wie möglich zu sein, weil wir der Meinung sind, dass unsere Arbeitswelt das braucht: Mut, Offenheit, Verletzlichkeit.

Möge die Folge anderen in harten Veränderungen helfen, Kraft zu finden und neue Wege zu gehen.

Ich bin jetzt Certified Scrum Coach.

Certified Scrum Coach SealIch fühle mich geehrt. Seit letzter Woche bin ich einer von derzeit sieben Certified Scrum Coaches in Deutschland. Ich trete damit in eine weltweite Gemeinschaft von Menschen ein, welcher zum Beispiel auch Lyssa Adkins und Bob Hartmann angehören. Doch der Weg dorthin hat mich eigentlich schon die letzten sieben Jahre beschäftigt – wenn auch nicht bewußt. Warum bin ich ihn gegangen?

Mein Anliegen ist und war es, unsere Arbeitswelt gemeinsam zu verbessern.

Konkret: Herzliche Menschlichkeit und gesunde Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Erfolgreich zu sein durch Kulturen des Vertrauens, der Offenheit, des Respekts und des Fokus. Gemeinsam mit Kunden, Partnern, Führungskräften und Mitarbeitern Ziele zu erreichen ohne dabei auszubrennen. Sinnhafte Arbeit zu gestalten mit konkreten Ergebnissen und dabei Freude an guten Lösungen und Produkten zu haben.

LeadershipDie letzten zwei Jahre habe ich daher mit vielen weiteren Menschen intensiv gearbeitet, um mich jetzt Certified Scrum Coach nennen zu dürfen. Neben einer umfangreichen Darlegung und Bewertung meiner Coaching- und Beratungspraxis erfordert dies nachgewiesene Erfahrung in verschiedenen agilen Projekten sowie positive Kundenreferenzen. Durch das Feedback konnte ich über meine Arbeit reflektieren und erkennen, wie ich mein Anliegen in Zukunft mit Ihnen noch klarer umsetzen kann.

Vielen Dank für Ihre und Eure Unterstützung!

Großer Dank gebührt meinen Kunden, für das in mich gesetzte Vertrauen, dass ich mit ihren Problemen diskret, respektvoll und lösungsorientiert umgehen würde und ihre Bereitschaft, gemeinsam neue Wege zu gehen.

Ganz herzlich möchte ich mich an dieser Stelle auch bei meinen Kollegen Sabine Canditt, Peter Hundermark, Dr. Jürgen Hoffmann, Olaf Lewitz, Krishan Mathis, Sandra Reupke-Sieroux, Andreas Schliep, Mark Summers, Andrea Tomasini und der deutschen sowie internationalen Agile Community sowie der ScrumAlliance bedanken für Ideen, Erfahrungen, Mentoring und Feedback!

Sie fragen sich vielleicht, was ein Certified Scrum Coach eigentlich ist oder wie Sie selbst einer werden? Lesen Sie mehr dazu bei der ScrumAlliance.

IT-Kanban: Den eigenen Prozess erkennen und verbessern mit dem Kanban Pizza Game

Work In Progress - Das Team beim Pizza backenBei unserem letzten Treffen des Agile Monday Rhein-Neckar in Mannheim haben wir uns erneut mit IT-Kanban auseinandergesetzt: Die Alternative zu Scrum weckt immer wieder Interesse, Kunden bitten mich häufig sowohl zu IT-Kanban als auch Scrum zu beraten, um eine Wahl treffen zu können, für den im Firmenkontext am Besten geeigneten Weg zu mehr Agilität.

Doch was brauche ich nun, um solch eine Entscheidung treffen zu können?

Sicherlich etliche Fakten, die dahinterliegende Theorie und einige Modelle, Prinzipien und Praktiken. Dann etwas, dass mir hilft, die Konsequenzen meiner Entscheidung abzusehen. Doch halt – da fehlt noch etwas Wichtiges! Wie sieht es mit Erfahrung aus?

Wissen ist nicht Erfahrung, Kennen nicht Können.

Wenn wir etwas am eigenen Leib erfahren, wandelt sich theoretisches Wissen in etwas Erspürbares, Konkretes. Man bekommt ein Gespür für das Thema.

Simulationen helfen, unser Kennen zum Können zu verwandeln. Eine dieser Simulationen, die wir beim Agile Monday erlebt haben, ist das Kanban Pizza Game von Agile42.

Kanban Pizza GameIn gut eineinhalb Stunden findet unser Team von Pizzabäckern vom intuitiven Weg, Pizza zu produzieren zu einem effizienteren Prozess – mit Spaß und durch gute Zusammenarbeit. Wollen wir das nicht auch im Berufsleben? Das Team hat sich deutlich gesteigert im erwirtschafteten Gewinn, auch durch Einsparung von Verschwendung, neue Produkte ins Portfolio aufgenommen und an kontinuierlicher Verbesserung gearbeitet.

Sie möchten das Kanban Pizza Game gerne auch ausprobieren? Den genauen Ablauf dieser Simulation können Sie hier nachlesen.

Uns hat es beim Agile Monday viel Spaß gemacht, so IT-Kanban zu erleben.

Das Pizza-Bäcker-TeamDa die Simulation völlig technologiefrei ist, eignet sie sich übrigens auch für alle anderen Teams, die ihre Teamarbeit mit IT-Kanban verbessern möchten. Längst sind agile Methoden ja außerhalb der Softwareindustrie im Einsatz.

Wann backt Ihr Vertriebsteam die erste Pizza Hawaii?

Sieben Wege, um als ScrumMaster motiviert zu bleiben

MotivationDer ScrumMaster ist ein Veränderer in Unternehmen. Seine Aufgaben sind umfangreich und oft herausfordernd. Wie schafft man es, motiviert zu bleiben in Umfeldern, die keine täglichen Erfolgserlebnisse garantieren?

Die intrinsische Motivation aufrecht erhalten

Suchen Sie sich einen kleinen Bereich, den Sie zu großen Teilen und mit einfachen Mitteln selbst beeinflussen können und gestalten Sie diesen mit agilen Methoden. Tun Sie dies, aus Freude an der Sache selbst ohne einen Zweck für andere damit zu verfolgen.

Praxis-Tipp: Gestalten Sie z.B. Ihre eigene Arbeit und genießen Sie die positiven Effekte einfach für sich selbst. Ich mache das zum Beispiel fast täglich mit der Pomodoro – Technik, eine Art von Timeboxing, um beim Arbeiten in einem guten Fluss zu bleiben.

Inspirierende Themen anschauen

Es gibt weltweit viele agile Konferenzen die teilweise mitgeschnitten werden. Spannende Perspektiven auf aktuelle Themen und Erfahrungsberichte helfen dabei, Dinge in neuem Licht zu sehen und Inspiration wiederzuerlangen.

Praxis-Tipp: Schauen Sie sich eine Keynote auf Youtube an oder stöbern Sie in den inspirierenden Videos von TED.

Sich nicht herunterziehen lassen

Wenn man auf inspirierende Menschen trifft, neigen wir dazu, uns selbst als weniger brilliant, erfahren oder intelligent anzusehen. Dieser Vergleich bringt einen nicht weiter. Genießen Sie die Einzigartigkeit Ihrer Erfahrungen und Ihres Lebens. Niemand wird je das Erleben, was Sie erleben. Diese exakte Kombination Ihrer Fähigkeiten und Denkweisen gibt es nur einmal – in Ihnen.

Praxis-Tipp: Denken Sie einige Minuten in Ruhe darüber nach, was Sie in Ihrem Leben bereits alles erfahren haben und klopfen Sie sich selbst einmal auf die Schulter mit dem Gedanken: „Wow, das war eine Menge und das Meiste habe ich tatsächlich wirklich gut hinbekommen!“.

CommunityActiveSich in die Community begeben

In Deutschland gibt es wie in vielen anderen Ländern auch sehr aktive Gemeinschaften von Menschen, die ähnliche Erfahrungen und Ziele wie Sie haben. Oft stellt man im Austausch mit Anderen fest, dass man mit seiner Herausforderung nicht alleine ist und erhält neue Ideen, die einen voranbringen.

Praxis-Tipp: Besuchen Sie doch einmal Ihre lokale Usergroup. Falls Sie im Rhein-Neckar Gebiet wohnen können Sie gerne zum Agile Monday Rhein-Neckar vorbeischauen. Die Veranstaltungen eigentlich aller Communities sind kostenfrei und ein guter Ort, um neue Kontakte zu knüpfen.

Das Energieniveau im Blick haben

Abhängig von vielen verschiedenen Faktoren variiert unsere Energie. Nehmen Sie sich Zeit, auf diese Impulse zu hören und das zu tun, was ihre Batterien wieder auflädt, wenn Sie wenig Energie haben.

Praxis-Tipp: Für viele Menschen ist Natur erholsam – können Sie eine Besprechung draußen bei einer Runde um das Gebäude abhalten?

Einen Schritt zurückgehen, um voranzukommen

Um zu wachsen, begeben wir uns oft an den Rand der Komfortzone. Das ist gut, um sich zu entwickeln, kann aber auf Dauer auch recht anstrengend sein. Sich für eine Weile dorthin zu bewegen, wo wir meisterlich gut sind, macht Spaß und erholt.

Praxis-Tipp: Suchen Sie sich ein Meeting, dass Sie besonders gerne moderieren und gestalten Sie es so, dass es Ihnen besonders viel Freude macht und leicht von der Hand geht. Das bringt Sie in einen guten Fluss und andere merken Ihren Elan.

Nicht alles auf einmal ändern

Viele ScrumMaster und Coaches, die ich kennengelernt habe, sind sehr wissbegierige Menschen die leidenschaftlich gerne Neues lernen. Die Balance zu finden zwischen Zeiten der Veränderung und Zeiten der Beständigkeit ist da nicht immer leicht.

Praxis-Tipp: Limitieren Sie Ihre gleichzeitigen Lernthemen mit einem sortierten Backlog und erlauben Sie sich ausreichend Zeit, das Neue in Ihre Arbeit zu integrieren, bevor Sie an das nächste Thema herantreten.

Dieser Blogpost wurde inspiriert durch Roman, der als Musiker und Komponist arbeitet.

Hindernisse dauerhaft lösen durch Impediment Management mit A3-Denken

Wer seine IT-Projekte mit einer agilen Methode wie Scrum oder IT-Kanban durchführt, findet immer wieder Hindernisse heraus, die das Unternehmen davon abhalten, effizient und mit Freude zu arbeiten. Mal ist es ein Product Owner, der zu selten greifbar ist für sein Team, mal ein abstürzender Build-Server und mal fehlende Fähigkeiten im Entwicklungsteam für eine neue Produkt-Herausforderung. Solche Hindernisse werden Impediments genannt.

Probleme lösen - Am besten schnellProbleme rufen nach einer Lösung.

Und meistens wollen wir sie so schnell wie möglich weg haben. Aus dem Sinn, gelöst und erledigt. Nicht wahr? Natürlich – wir wollen handeln. Nicht zuletzt ist es ja auch ein Teil der Rolle eines ScrumMasters und des Managements, die Bahn frei zu machen für die Entwicklungsteams.

Mit dem schnellen Sprung vom Problem zur Lösungsidee verpassen wir häufig aber eine wichtige Chance: Dem Problem gewissenhaft auf den Grund zu gehen. Oft sind die wahrgenommenen Auswirkungen nämlich nur die  Symptome eines darunterliegenden, tieferen Problems. Und wenn wir dies nicht herausfinden, ist unsere Maßnahme entweder erfolglos oder behebt die Grundursache nicht – und das Problem kommt wieder. Vielleicht in einer anderen Form, vielleicht zu einer anderen Zeit. Aber es ist nicht nachhaltig gelöst. Wir verbennen Zeit und Energie.

Beispiel eines ausgefüllten A3-BogensIm Umfeld des Toyota Produktionssystems hat sich aus dieser Erkenntnis das so genannte A3-Denken entwickelt. A3 Denken ist dabei eine strukturierte iterative Vorgehensweise zur gemeinsamen Lösung komplexer Impediments.

Dabei ist physisch gesehen ein A3 tatsächlich ein DIN A3 großen Papierbogen mit einer spezifischen Unterteilung in Prozessschritte. Das A3-Denken ist somit also ein Denkprozess zur Lösung von Impediments in einem Unternehmen. Und dieser Prozess wird dann auf solch einer Vorlage festgehalten.

Die Prozessschritte eines A3s decken dabei einmal den vollständigen PDCA – Zyklus ab. Wir umkreisen ein Problem, um seine Essenz zu verstehen, erstellen Handlungsalternativen, setzen diese um und nutzen die Ergebnisse, um zu lernen.

Welche Vorteile ergeben sich daraus?

  • Gemeinsame strukturierte ProblemlösungWährend man mit einem solchen strukturierten Problemlösungverfahren arbeitet, trainiert man sein logisches Denken und kommt immer wieder auf neue Aspekte, die einem vorher nicht klar waren.
  • Ein erfahrener Mentor kann dabei durch die richtigen Fragen das Problemlösungsverständnis noch weiter vertiefen. Systemisches Denken und der Umgang mit komplexen Sachverhalten wird so erlernbar. Und spätestens seit Management 3.0 wissen wir, dass ohne systemische Sicht das Management unserer Organisationen nicht erfolgreich sein wird.
  • Nach erfolgter Problemlösung gibt ein A3-Bogen eine konsistente Geschichte wieder: „Ich sah Problem X, fand dabei Grundursache Y und Tat Z mit dem Result ABC.“ Diese Geschichte ist ein Teil des Unternehmenswissens, dass wir so an Kollegen weitergeben können.

Sie möchten gleich loslegen und einen A3 selbst ausprobieren?

Eine deutsche A3 – Vorlage finden Sie hier als Download (PDF, 1.2 MB). Um den Denkprozess dahinter zu lernen, empfehle ich das Buch Managing To Learn und die sehr schön illustrierten A3-Thinker Karten. Ein Beispiel zu einem ausgefüllten A3 – Bogen finden Sie auch bei Henrik Kniberg (auf Englisch).

Was kann man damit noch tun?

Wie eine ScrumMasterin letztens in einem Einzel-Coaching zu mir sagte: Das kann man ja auch prima im privaten Bereich einsetzen, um neue Lösungen zu entwickeln. Vielleicht kennen Sie ja auch diese immer wiederkehrenden Themen, die irgendwie nie richtig gelöst werden? Was würde passieren, wenn Sie einmal die Forscher-Brille aufsetzen und auf die Suche nach den Grundursachen gehen?

Darf’s ein bischen mehr sein – Ist der ScrumMaster eine Vollzeit- oder Teilzeit-Rolle?

Besonders kleinere Abteilungen und Unternehmen auf dem Weg zur Agilität stehen gerade zu Anfang häufig vor der Herausforderung, keine Vollzeitstelle für die Rolle des ScrumMasters im Unternehmen zu haben. Eine Vollzeitstelle für einen ScrumMaster? Muss das wirklich sein? Kann das nicht auch ein Entwickler nebenbei machen? Oder wenigstens ein ScrumMaster für zwei Teams gleichzeitig?

Bei dieser Entscheidung sollte man betrachten, wie sich diese auswirkt. Die Konsequenzen, die sich oft hinter ihr verbergen, zeige ich hier auf.

Zwischen den Stühlen - ScrumMaster mit mehreren RollenZwischen den Stühlen

Der Teilzeit-ScrumMaster hat in der Regel nur einen Teil seiner Arbeitszeit zur Verfügung, um die ScrumMaster-Rolle zu leben. Daraus resultierend ist die besondere Herausforderung, dass er einen ständigen Konflikt ausbalancieren muss: Welcher Rolle gibt er wann den Vorrang?

Ist er zeitgleich Entwickler im Team, kann er dann guten Gewissens sein Team an der Tastatur „hängen lassen“, wenn es eigentlich in puncto Teamentwicklung an der Zeit wäre, mal wieder einen aufwändigeren Workshop zu gestalten? Schafft er den Perspektivenwechsel, Teil des Entwicklungsteams und doch in einer vom Team absichtlich getrennten Rolle zu sein? Hält er durch, wenn ein Hindernis schwer zu lösen ist oder flüchtet er an die Tastatur, um das Erfolgserlebnis des Tages zu sichern? Nimmt er sich die Zeit, proaktiv sein Team zu fördern und zu fordern?

In der Praxis beobachte ich, dass Teilzeit – ScrumMaster Schwierigkeiten haben, einen Teil des Potentials der Rolle umzusetzen: Während Sie im Team einen sehr guten Job machen, fällt der Teil der Organisationsentwicklung in der Regel weg. Auch technisches Coaching (Refactoring, Unit Testing, TDD, …) wird üblicherweise nicht stattfinden, denn Prozess- und Technologiecoaching füllt schnell eine Vollzeitstelle aus.

Wie ist es nun, bei zwei Teams gleichzeitig? Der Balanceakt bleibt, nur verschiebt er sich auf die Frage, welches Team gerade wichtiger ist. Auch hier verzichtet das Unternehmen meistens auf die Dienstleistungen, die der Vollzeit-ScrumMaster der Organisation bietet.

Veränderung im Team und darüber hinaus

Für den Vollzeit-ScrumMaster gilt: Er kann seine gesamte Arbeitszeit einsetzen, um sein Team optimal im Verlauf der Produktentwicklung zu begleiten. Es ist genügend Zeit vorhanden um proaktiv und reaktiv zu handeln. Mit der steigenden Erfahrung des Teams verschiebt sich sein Tätigkeitsfeld mehr und mehr weg von der Arbeit am Team hin zur Organisationsentwicklung und Schaffung neuer Rahmenbedingungen: Er hilft bei der Gründung von Communities of Practice. Er unterstützt die Verkürzung von Release – Zyklen. Er gestaltet neue Karrierepfade mit. Er hilft anderen Gruppen im Unternehmen, die richtigen Kommunikationswege zu Scrum und Kanban – Teams zu finden. Auch andere Abteilungen interessieren sich häufig nach einiger Zeit für die „bunten Klebezettelchen“. Eine Einladung zum Dialog, die der Vollzeit-ScrumMaster einfacher aufgreifen kann und so Agilität weiter in das Unternehmen trägt.

Die Grafik zeigt nochmals die Kernaktivitäten, die Teilzeit- und Vollzeit-ScrumMaster in der Regel leisten.

Aufgabenfelder Vollzeit- und Teilzeit ScrumMaster

Abhängig von dem Ziel Ihrer Scrum-Einführung können Sie nun entscheiden, welche Variante Sie wählen möchten. Wenn Ihnen das volle Potential agiler Methoden oder Ihr Projekt-/Produkterfolg sehr wichtig sind, empfehle ich Ihnen, diese neue Rolle als Vollzeitstelle zu schaffen.

Wenn Sie die Teilzeit-Option wählen, seien Sie sich der möglichen Konsequenzen bewußt – und es gilt sicherlich auch: besser ein erfahrener Teilzeit-ScrumMaster, der seinen Job ernst nimmt und beherrscht, als gar kein ScrumMaster.

Manchmal ist Scrum wertlos.

(c) Jared Tarbell, CC-BY-2.0

Viele Unternehmen beschäftigen sich mittlerweile mit Scrum. Neben durchaus erfolgreichen Transformationen von Teams und Abteilungen gibt es auch die Veränderungsinitativen, die auf ihrem Weg zu agilem Arbeiten stecken bleiben:

Mißverstandene Praktiken, fehlende Management-Unterstützung und fragwürdige Rollenverständnisse zeigen sich.

Doch was fehlt diesen Versuchen, Scrum zu etablieren eigentlich? Warum passen die Praktiken nicht oder fühlen sich inkongruent im Unternehmen an?

Bei der Suche nach der Antwort finden wir im ersten Buch von Ken Schwaber und Mike Beedle fünf Kernwerte von Scrum:

Mut, Offenheit, Respekt, Fokus, Commitment

Schauen wir uns die Scrum-Werte einmal etwas genauer an:

Mut ist die Fähigkeit, Herausforderungen trotz Risiken aktiv anzugehen, um Sie erfolgreich zu überwinden. Veränderungen benötigen diesen Mut: Unbekanntes und Neues will gelernt und gemeistert werden. Rollen verändern sich und der Status quo wird in Frage gestellt.

Offenheit ist das bereitwillige Aufnehmen und Teilen von Informationen, um Situationen einschätzen und richtig entscheiden zu können. Nur durch Offenheit entsteht die Transparenz, gute Entscheidungen zu treffen und gegenseitiges Verständnis für die Situation zu entwickeln.

Respekt ist Wertschätzung für Beitrag und Person aller Beteiligten, um konstruktiv zusammenzuarbeiten. Unterschiedliche Lebenswege, Meinungen und Perspektiven verdienen Anerkennung und wollen für Kreativität und Synergien genutzt werden.

Fokus ist die bewußte Einschränkung von Optionen, um gemeinsam effektiv voran zu kommen. Weniger ist mehr. Die Essenz umzusetzen in bester Qualität macht Kunden zufrieden und lässt uns Risiken steuern.

Commitment ist die Selbstverpflichtung zur Erledigung einer Aufgabe oder Mission, um Verlässlichkeit und Motivation zu erhöhen. Im Scrum Team genießen Angestellte eine hohe Freiheit und Selbstbestimmung. Damit wächst ihre Verantwortung für den Erfolg.

Die Einführung von Scrum bringt die Abteilung dazu, diese fünf Werte in ihrer Arbeitskultur zu schätzen: Scrum ist sozusagen ein Kulturwandler, ein Veränderungsagent im System, ein Katalysator für eine neue Form der Zusammenarbeit.

Die wichtigste Frage ist also, wieweit diese Zielkultur erwünscht ist und wie sie zu den weiteren Kulturelementen passen kann.

Einige Beispiele:

  • Wenn Harmonie (und somit Konfliktvermeidung) ein hoher Wert in der bestehenden Kultur ist, wie wird dann Mut wahrgenommen? Als Aggressor?
  • Wenn Erfolg der wichtigste Wert ist, darf Offenheit in der Kommunikation über Fehlschläge existieren?
  • Wenn Arbeit zugeteilt wird und top-down Deadlines ausgerufen werden, wie stark ist die gefühlte Selbstverpflichtung (also das Commitment) des Einzelnen?

Cargo Cult Scrum - (c) tattooblogger, CC-BY-2.0Schafft man es nicht, auf Grund der bestehenden Kultur die Werte von Scrum zu erlernen, sind diese Scrum-Implementierungen wert-los. Dem Vorgehen fehlt die Seele, die Praktiken wirken blutleer. Manche nennen dies einen Cargo-Cult: Ohne in der Tiefe zu verstehen, worum es geht, werden Praktiken falsch eingesetzt – und die erhoffte Veränderung bleibt aus.  Scrum löst sein Versprechen der besseren Arbeitswelt dann nicht ein – was zu verständlicher Frustration und Ablehnung der Methode führt.

Vor einer Scrum-Einführung lohnt es sich also, zu prüfen, ob die Zielkultur lohnenswert und erwünscht ist. Im Zweifelsfall erleben Sie in einem Scrum-Training oder während eines Pilotprojekts, wie sich Agilität anfühlt und welche Reibungspunkte es gibt.

Was ist Ihre Wunscharbeitskultur?

Scrum, Kanban und Agile Leadership in der Metropolregion Rhein-Neckar lernen

Der ein oder andere hat es schon einmal selbst erlebt: Lernen und verstehen fällt einem besonders leicht, wenn man sich fokussieren kann und völlig rauskommt aus dem Tagesgeschäft. Nicht ohne Grund gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Tagungshotels in Deutschland. Und oft ist schon die Anreise nicht nur eine „physikalische Entfernung“:

Man kommt mehr und mehr weg von den Dingen, die einen täglich beschäftigen und auch der Stapel an nicht erledigten Unterlagen auf dem Schreibtisch oder Bürocontainer gerät in Vergessenheit.

Gerade in unserer Welt der nahezu permanenten Erreichbarkeit, sind Orte der Klarheit und Ruhe beinahe selten geworden.

Wer agile Methoden wie Scrum, Kanban und Management 3.0 lernen möchte, kann dies darum nun auch in den neuen Trainings- und Büroräumlichkeiten bei Heidelberg tun. Umgeben von herrlicher Natur fällt das Lernen besonders leicht in der renovierten ehemaligen Kornmühle der Stadt.

Am letzten Freitag konnten sich davon auch die Gäste der Einweihnungsfeier überzeugen und wünschten einen „guten Start in den neuen Räumen“ – der vermutlich einzigen agilen Mühle in Deutschland.

Wenn Sie also in Zukunft mal wieder rauskommen wollen, um eine frische Perspektive auf Ihre Arbeit, Ihre Prozesse und Ihr Unternehmen zu werfen, haben Sie bei meinem Coaching und Trainings die Möglichkeit dazu.

User Stories einfach teilen – mit dem User Story Splitting Flowchart für Product Owner

Es ist eine Kunst, mit Anforderungen in IT-Projekten gut umzugehen. Denn agile Teams benötigen für ihre Arbeit klein geschnittene und gut definierte Features, damit sie diese in einem kurzer Zeitraum (wie z.B. einem Sprint) bearbeiten können.

Doch die Anwender moderner Anwendungen sind umfangreiche Features und Funktionen gewohnt, die eigentlich nicht in so kurzer Zeit wie einem Zwei- oder Vierwochenfenster umsetzbar sind.

Als Produktverantwortlicher (die Scrum’ler nennen sie Product Owner) könnte ich mir also die Frage stellen:

  • Wie schneide ich eine Anforderung richtig, damit mein agiles Team optimal damit arbeiten kann?
  • Wie zerlege ich große Features in kleinere, die unabhängig voneinander geplant und umgesetzt werden können?
  • Wie komme ich weg von der „alles ist Prio 1“ Sichtweise hin zu differenzierteren Betrachtungen und damit mehr Handlungsoptionen im konkreten Projekt?

Es gibt ein gutes Hilfsmittel, um diese Fragen zu beantworten, welches ich gerne im Agile Coaching einsetze: Richard Lawrence hat ein tolles Flowchart „Userstories aufteilen“ entwickelt, welches ich nun ins Deutsche übersetzt habe.

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Die Datei enthält den grundlegenden Workflow, wie man Stories zerlegt und beinhaltet die beliebtesten Muster dazu in einer übersichtlichen Darstellung. Hintergrundinformationen zu den einzelnen Pattern bietet Lawrence dazu auch nochmal in seinem Blog an.

Sie können es kostenfrei hier herunterladen (PDF-Format), um damit in Zukunft leichter User Stories zu zerteilen und Ihre Teams optimal zu unterstützen. Viel Erfolg beim Einsatz!

Scrumtisch Rhein-Neckar: IT – Kanban für agile Teams spielend verstehen

Bei sommerlichen Höchsttemperaturen kamen in Ludwigshafen am Rhein ein dutzend Fach- und Führungskräfte zusammen, um Kanban in der IT-Welt kennenzulernen und Antworten auf die Fragen zu finden, die sich in Entwicklungsabteilungen immer wieder stellen:

  • Wie schaffe ich es, zwischen der täglichen Arbeit genug Slack-Time vorzuhalten, um Verbesserungen und Innovationen umzusetzen?
  • Wie erkenne ich, wo es gerade im Projekt klemmt und was ich jetzt tun sollte?
  • Wieso ist weniger gleichzeitige Arbeit besser und wie sorge ich dafür, dass nur wenige Baustellen gleichzeitig existieren?
  • Welchen Einfluss haben meine Managementvorgaben auf die Produktion?

Auf diese Fragen hat nicht nur das Framework Scrum sondern auch die flexible Change Management-Methode Kanban Antworten:

Einen ganzen Abend lang nutzten wir eine professionelle Kanban-Simulation in zwei Teams, welche gegeneinander als Mitbewerber antraten. Jedes von ihnen ein Softwareentwicklungsteam mit klarem Ziel: Möglichst viele Abonennten für einen Online-Dienst zu gewinnen und so wirtschaftlich besser abzuschneiden.

In mehreren Simulationsrunden konnte mit gemeinschaftlichen Aktionen die Art der Produktion gesteuert werden und die Grundprinzipien von Kanban vertieft werden.

Die mutigen Teams entschlossen sich auch, dass etwas komplizierte Flussüberwachungschart namens Cumulative Flow Diagramm zu verwenden, um möglichst viel Neues zu lernen.

Der Abend endete mit einer Schlußbesprechung, welche die wichtigsten Lernpunkte der Simulation nochmals aufgriff und für den ein oder anderen „Aha“-Moment sorgte.

Insgesamt ein sehr positives Teilnehmerfeedback mit Aussagen wie „macht Lust auf mehr“ und „man lernt viel über Kanban“ sprechen nicht nur für einen gelungenen Usergroup Abend sondern auch für gut investierte Zeit trotz Rheinstrand-Wetter.