Das Agile Coach Gehalt: Verdienst unter der Lupe

Was verdient ein Agile Coach eigentlich und welche Faktoren rechtfertigen dieses Gehalt?

Immer mehr Menschen arbeiten als Agile Coach in Deutschland, Schweiz und Österreich. Der globale Trend hat also auch vor dem deutschsprachigen Raum keinen Halt gemacht. Weshalb das so ist, haben wir in diesem Artikel bereits beleuchtet.

Bei der Frage, ob die Perspektive des Agile Coaches eine relevante Karriereoption für einen selbst sein kann, kommen verschiedene Aspekte zum Tragen, die unter anderem natürlich auch Geld beinhalten.

Geld ist seit Jeher in der Menschheit ein Tauschmittel für Wertschöpfung gewesen. Klar – manchmal entspricht der reale Wert nicht dem gefühlten Wert, aber meist gibt es eine ziemlich gute Korrelation zwischen dem, was man zahlt und dem was man bekommt. Auch wenn das im Falle einer Rolex auch mal Status sein kann, statt besonders teurer Schrauben, die den Preis der Uhr rechtfertigen würden.

Insofern ist die Frage, was man als Agile Coach verdient stark damit verknüpft, welchen Wert man für andere stiftet. Und vielleicht liegt doch auch ein kleines Körnchen Wahrheit in dem etwas lapidaren Gag:

„Was ist der Unterschied zwischen einem Scrum Master und einem Agile Coach?“ …. (wait for it)…. „10.000 Euro Jahresgehalt und ein Dienstwagen“…

Ja, ich weiß, ein wenig flach. Und doch steckt im Kern darin die Idee, dass ein Agile Coach also irgendwie mehr kann oder leistet als ein Scrum Master. Stimmt das?

Was ist der Unterschied zwischen Scrum Master und Agile Coach?

Für viele ist ein Agile Coach ein Scrum Master, der drangeblieben ist. Dran an seiner Wirksamkeit, dran an seinem Einfluss auf Organisation und Management, dran an seiner Leidenschaft für eine agiles Arbeiten.

Wieso musste er oder sie dranbleiben? 

Weil die Versprechen agiler Vorgehensweisen in der Praxis einzulösen dies schlicht erfordern. Ohne Kontakt zum Management keine besseren Rahmenbedingungen für das Team, ohne den richtigen Spielraum die falschen Incentives für die Mitarbeiter, ohne eine Verknüpfung von Organisationsstrategie und Produkt- und Sprintzielen kein Fokus für die, die die Produkte bauen.

Du kannst es auch so sagen: Ohne Führungs- und Organisationsentwicklung kannst Du Agile und Scrum in den meisten Kontexten schlicht knicken – um es mal sehr deutlich zu sagen. (Been there, done that… Für Dich freundlicherweise schon ausprobiert ohne… Ging nicht…)

Nun, so muss ein Scrum Master sich immer wieder selbst erfinden und wird so… tada… irgendwann ein Agile Coach.

Hast Du dann als Agile Coach gelernt, Deine Wirkung auf Team, System und Organisation zu vergrößern, hast Du Dir eben auch mehr Gehalt verdient.

Denn verdienen kommt von dienen. Da die Möglichkeiten für Deine Dienste je nach Firma seht unterschiedlich sind und auch die Wertschätzung für sie stark schwanken, gibt es (wie in jedem Job) eine ziemliche Gehaltsbandbreite je nach Branche, Industrie, strategischer Wichtigkeit des Kontextes, in dem Du operierst.

Egomanen aufgepasst

Und noch ein Faktor ist essenziell wichtig: Deine Selbstbezogenheit. Moment mal, wieso das?

In David H. Maisels Vertrauensgleichung steht sinngemäß drin, wann man als Mensch Vertrauen von anderen erhält. Sie ist definiert durch Vertrauen = (Glaubwürdigkeit + Zuverlässigkeit + Intimität) / Selbstbezogenheit.

Lass uns kurz in sie eintauchen, um zu erklären, wieso das eine Implikation auf Dein Gehalt als festangestellter Agile Coach oder Deinen Stundensatz als freiberuflicher Agile Coach hat.

Glaubwürdigkeit bedeutet, inwieweit Dir Leute ihren Glauben schenken, weil Du eine gewisse Expertise vor- oder nachweisen kannst oder ausstrahlst. Denke an den Chefarzt im Krankenhaus: Er oder sie hat durch Titel, Rang, Erfahrung (oder den lustigen Tross aus Begleitern 😉 )bei der Visite eine initiale Glaubwürdigkeit.

Wenn der Chefarzt dann noch seine Versprechen hält, im Notfall erreichbar ist und das besprochene Rezept vom Vortag dann wirklich durch den Pfleger überreicht wird am nächsten Tag merkt man: Ah, zuverlässig ist der auch!

Kommt dann noch hinzu, dass der Arzt vielleicht auch durchblicken lässt in einem Nebensatz, dass er selber Kinder hat, wenn es um Dein Kind geht oder „er weiß, wie Du Dich fühlen musst angesichts dieser belastenden Krankheit, da er selber mal…“ entsteht vielleicht eine Gewisse emotionale Nähe, eine Intimität im nicht-sexuellen Sinne.

All das erzeugt Vertrauen, all das zahlt darauf ein, anderen Vertrauen zu schenken.

Das ist gut aber…

Was ist nun, wenn jemand dabei gleichzeitig zu selbstbezogen, sagen wir mal ein Egomane ist? Ich glaube wir alle sind bereits diesem einen Versicherungsvertreter oder Hol-Dir-Jetzt-Glasfaser-Telekom-Wechselvertreter begegnet, bei dem einfach eine Warnlampe anging, die sagte:

„Moment mal, der hat doch jetzt nicht wirklich meinen Vorteil im Kopf sondern optimiert hier gerade für seinen Vertrags-Abschluss-Bonus!“

Genau. Und das senkt dann wiederum unser Vertrauen in den anderen, weil wir wirklich (zurecht) bezweifeln: Meint der oder die es da gerade wirklich gut mit mir? Hat er oder sie hier tatsächlich mein Wachstum im Kopf oder eben doch nur die schnelle Prämie?

Wer jetzt übrigens gerade an sein letztes Parship- oder Tinder-Date denkt, um den Traummann oder die Traumfrau kennenzulernen, findet in diesem Artikel hier mehr als nur eine Erkenntnis warum, es dann vielleicht doch mit dem initialen Vertrauensaufbau trotz gutem Wein nicht so richtig oder eben richtig gut lief… Aber ich schweife ab…

Nun, als Agile Coaches ist die hauptsächliche Wirkungsschicht auf der ich operiere die Beziehungsebene zu anderen. Denn ich führe meist „Kraft Anerkennung“, also nicht auf Grund von hierarchisch inthronisierter Macht. Und damit diese funktioniert, ist meine primäre Währung… Trommelwirbel… Vertrauen! (Euros fließen zu lassen wäre ethisch hier recht bedenklich wenn nicht gar illegal ;))

Und da wir alle gut trainiert darauf sind, zu erkennen, wer uns über den Tisch ziehen will und wer nicht, ist eben das Gehalt, was ein sehr Selbstbezogener Agile Coach realisieren kann leider auf Dauer geringer, da er oder sie auf Grund von mangelndem Vertrauen die Wirkung nicht auf die Straße bringen kann, die die Veränderung gebraucht hätte.

Mit dem gesagt, sind Hopfen und Malz nicht verloren, wenn man gerade zu Selbstbezogen unterwegs war oder ist. Auch das ist ein Entwicklungsfeld und Persönlichkeitsentwicklung hilft da zuverlässig weiter, um den „Dienst am anderen“ mehr vom Herzen her zu leben.

Wir haben mit Agile Coaches an ihrer Persönlichkeit gearbeitet, die aktuell in Großkonzernen direkt als Stabsstelle unter dem Vorstand agieren – also mehr als „hoch aufgehangen in der Organisation“ sind und auch vielen anderen, die einfach Teamplayer in der Fläche sind (ohne dies schmälern zu wollen; es ist einfach etwas anderes, dass es auch braucht).

Wenn man die verschiedenen Aspekte in Einklang bringt, ist also viel möglich.

Wie hoch genau ist denn nun der Verdienst als Agile Coach?

Als Agile Coach kannst Du laut Stepstone mit einem Jahresgehalt von bis zu 71.600 Euro rechnen, was monatlich etwa 5.967 Euro entspricht. Auf der unteren Seite der Gehaltsskala solltest du mindestens mit 52.100 Euro im Jahr bzw. 4.342 Euro im Monat planen. Im Durchschnitt liegt das Gehalt bei 61.000 Euro jährlich, was monatlichen Einkünften von rund 5.083 Euro gleichkommt.

Das sind schon mal gute 10% mehr als das durchschnittliche Jahresgehalt, welches ein Scrum Master mit 54.800 Euro im Mittel laut Steptone erhält, während die maximal erreichbare Spannweite nach oben hin zum Top-Gehalt als Agile Coach sogar auch nochmal höher liegt als beim Scrum Master.

Der schnelle Weg zum Geld hat seine Tücken

Kein Wunder also, dass viele sich den Namen „Agile Coach“ schnell aufs LinkedIn Profil schreiben, um etwas mehr zu bekommen…

Doch wie das immer so ist, kennen den Trick natürlich die HR-Profis in den Firmen mittlerweile auch, wenn sie sich ein wenig mit Agile beschäftigt haben (und ich hatte so einige von ihnen in den letzten 10 Jahren in meinen Seminaren). Und auch wir haben schon so manchem HR-ler in Bewerbungsgesprächen zur Seite gestanden, um den Kandidaten auf Herz und Nieren zu checken.

Über die Strategie, sich kurz den „Agile Coach“ Titel zu verleihen kommt man also nur sehr begrenzt weit. Als Konsequenz findet man dann doch nicht so schnell neue Aufträge oder Jobs, wenn nicht die Skills und Erfahrungen den Titel auch real widerspiegeln – und das ist vielleicht auch besser so für die Branche.

Falls Du dich für eine Ausbildung zum Agile Coach interessierst, die Dich von innen heraus zum Scheinen bringt, kannst Du hier ein Interview von ehemaligen Teilnehmerinnen hören. 

Ein Spoiler vorab: Tieferes Leadership-Verständnis und  Organisationsentwicklung waren als erlernte Skills ganz weit vorne neben Persönlichkeitsentwicklung.

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