Selbstorganisation passiert (nicht) von alleine

Wer mit agilen Teams oder Methoden in Kontakt kommt, hört manchmal die Aussage, dass Manager nicht mehr benötigt werden, da sich die Teams selbst organisieren sollen. Das ist ein völlig falsches Verständnis von Selbstorganisation.

Der ScrumMaster hat im Scrum Prozess eine laterale Führungsrolle. Das bedeutet, dass er keine disziplinarische Macht hat, jedoch ganz klar eine Führungsaufgabe hat, was auch durch den Begriff des “Servant Leaders” deutlich wird.

Wieso braucht man diese Rolle? Sind ein Team von Experten nicht von alleine in der Lage durch Selbstorganisation möglichst efffizient Software zu produzieren? Der Haken an selbstorganisierten Systemen ist, dass ohne vorgegebene Rahmenbedingungen absolut beliebige Systemzustände entstehen. Das bedeutet nicht zwangsläufig Chaos, aber auch nicht, dass ein System alleine zu positiver Entwicklung neigt.

Ein System könnte zum Beispiel zu einer lokalen Optimierung neigen. Sagen wir mal, ein Team ist damit beauftragt, intensive Lasttests auf eine im Internet platzierte Serverfarm durchzuführen. Dieses Team wird sich bemühen, die Arbeitsumstände so optimal wie möglich für ihr Vorhaben zu gestalten und im schlechtesten Fall die Netzwerkbandbreite der gesamten Firma konsumieren.

Und auch Manager setzen Rahmenbedingungen für Teams: Sie müssen Menschen zum Beispiel vor Mobbing schützen, gemeinsame Ressourcen wie Platz im Büro, Netzwerkbandbreite, usw. vor zu hoher Inanpruchnahme durch einzelne Teams und Individuen.

Ein “Rahmengeber” ist also ein elementarer und wichtiger Bestandteil eines selbstorganisierten Teams. Innerhalb dieser Grenzen kann eine positive und sinnvolle Entwicklung eines Teams stattfinden. Hier ist neben dem ScrumMaster auch das Linienmanagement gefragt, diesen Rahmen zu definieren.

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  1. Vielen Dank für die schöne knappe Zusammenfassung gerade auch im Blick auf “das System”. Hierzu habe ich noch eine Anmerkung:

    “Der Haken an selbstorganisierten Systemen ist, dass ohne vorgegebene Rahmenbedingungen absolut beliebige Systemzustände entstehen. ”

    Man könnte auch annehmen, dass das Entwicklungsteam selbst ohne einen Scrum Master auch in der Lage ist, einen eigenen Prozess zu definieren innerhalb bekannter Rahmenbedingungen des Unternehmens. Und selbstorganisierte Teams können auch eine kontinuierliche Verbesserung im Blick behalten und ein System kontinuierlich anpassen.

    Ich sehe eine weitere Herausforderung, für die gerade in der Einführung von Scrum ein Scrum Master eine aus meiner Sicht gute Lösung ist. Menschen wissen nicht unbedingt, was es bedeutet selbstorganisiert zu arbeiten. Auch das muss erst individuell und als Team gelernt werden und hier kann ein Scrum Master unterstützen.

    In meinem Blog-Beitrag Hilfe zur Selbstorganisation habe ich dazu meine Meinung geschrieben und bin interessiert an Meinungen und Ideen Anderer.

    1. Danke für Deinen Kommentar, Daniel.

      Dein Beitrag beschreibt es ja auch – am Anfang ist neuen Teams nicht klar, wohin die Reise gehen kann. Der ScrumMaster ist dann eine Führungskraft im Team, die dieses in Richtung positiver Selbstorganisation entwickelt. Das braucht gerade zu Beginn häufig eine stärkere Führung, die Orientierung, Sicherheit und Verlässlichkeit zu auftretenden Hindernissen ermöglicht.

      Mehr und mehr wird dann durch Retrospektiven das Team zum Meister des eigenen Prozesses und der eigenen Entscheidungen. Spätestens ist der ScrumMaster nur noch Facilitator und vielleicht kritisch-hinterfragender Coach. Er darf sich dann verstärkt um die Veränderungsarbeit in der weiteren Organisation kümmern.

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